Seelische Krisen
Seelische Krisen gehören zum menschlichen Leben. Sie entstehen, wenn äußere Belastungen oder innere Konflikte die vorhandenen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen.
Eine Krise ist nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Sie beschreibt einen Zustand von vorübergehender Instabilität, Überforderung oder Orientierungslosigkeit.
Wie zeigen sich seelische Krisen?
Krisen können sich körperlich, emotional und im sozialen Verhalten bemerkbar machen, zum Beispiel durch:
- Schlafstörungen oder Angstträume
- innere Unruhe oder Panik
- Herz-, Magen- oder Spannungssymptome
- Reizbarkeit oder erhöhte Verletzlichkeit
- Schwierigkeiten, sich abzugrenzen oder Entscheidungen zu treffen
Oft treten mehrere dieser Symptome gleichzeitig auf.
Wie entstehen seelische Krisen?
Krisen entstehen häufig, wenn mehrere Belastungen zusammentreffen oder ein einschneidendes Ereignis bisherige Sicherheiten erschüttert.
Belastend können sein:
- Trennungen oder Verluste
- berufliche Veränderungen
- familiäre Umbrüche
- gesundheitliche Einschränkungen
- anhaltende Überforderung
In solchen Situationen gerät das innere Gleichgewicht ins Wanken.
Lebensphasen und Übergänge
Seelische Krisen treten häufig an sogenannten Lebensschwellen auf.
Im Kindes- und Jugendalter können Übergänge wie die Geburt eines Geschwisterkindes, der Eintritt in Kindergarten oder Schule sowie die Pubertät belastend sein.
Im Erwachsenenalter sind es häufig Phasen intensiver Verantwortung: Familiengründung, berufliche Etablierung, Mehrfachbelastungen oder Partnerschaftskonflikte.
Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr kommt es nicht selten zu Bilanzphasen – beruflich wie privat. Fragen nach Sinn, Neuorientierung oder veränderten Lebensentwürfen treten in den Vordergrund. Gleichzeitig können die eigenen Kinder in Ablösungsprozesse gehen oder die Versorgung älter werdender Eltern an Bedeutung gewinnen.
Im späteren Lebensalter stehen häufig Verlusterfahrungen, gesundheitliche Einschränkungen oder das Ende der Erwerbstätigkeit im Mittelpunkt.
Nicht jede dieser Phasen führt zu einer Krise. Doch sie können Zeiten erhöhter seelischer Vulnerabilität darstellen.
Seelische Krise oder psychische Störung?
Eine seelische Krise ist in der Regel zeitlich begrenzt. Mit Unterstützung kann das innere Gleichgewicht wiedergefunden werden.
Von einer psychischen Störung spricht man, wenn Symptome:
- über längere Zeit anhalten,
- stark ausgeprägt sind,
- das soziale oder berufliche Leben erheblich beeinträchtigen
- oder medizinische Behandlung erforderlich machen.
In solchen Fällen kann eine Kombination aus Psychotherapie und gegebenenfalls medikamentöser Behandlung sinnvoll sein.
Was kann Psychotherapie leisten?
Psychotherapie bietet einen geschützten Rahmen, in dem belastende Erfahrungen besprechbar werden.
In einer Krise geht es zunächst darum,
- Stabilität zu fördern
- Überforderung zu reduzieren
- Orientierung zurückzugewinnen
Darüber hinaus können Bewältigungsstrategien entwickelt werden, die Belastungen erträglicher machen und langfristig zur inneren Stabilisierung beitragen.
Psychotherapie bedeutet nicht, „stark sein zu müssen“, sondern belastende Gefühle wahrnehmen zu können, ohne von ihnen überwältigt zu werden.
Hinweis
Wenn Sie sich in einer solchen Phase wiederfinden, kann es hilfreich sein, das Erlebte in einem geschützten Rahmen zu besprechen. Ein Erstgespräch dient hier der gemeinsamen Einschätzung und Orientierung.